Alexander's Blog
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23.10.2006
24.10.2006



23.10.2006

Foto 19Über Nacht hat es geschneit. Zeigten die Berge des transantarktischen Gebirges gestern noch ihr durch den Wind freigelegtes dunkles Gestein, sind sie heute früh weiß „bezuckert“. Dafür ist das Wetter aber herrlich und die Sonne scheint von einem nur z.T. mit dünnen Schleierwolken bedeckten Himmel, der Wind ist sehr schwach und es überhaupt ziemlich mild – höchsten 15 bis 16 Grad minus schätze ich (Foto 19). Im Laufe des Tages zieht sich der Himmel aber wieder ein wenig zu.

 

Foto 20Dies tut dem Gang des Forschungsprojekts jedoch keinen Abbruch. Um 9.30 werden wir in dem regelmäßigen ANDRILL-Meeting über den aktuellen Gang der Dinge informiert – morgen Früh, spätestes morgen Abend soll es soweit sein und die erste Bohrprobe vom Meeresgrund geborgen werden. Außerdem erläutert einer der Projektleiten in einem sehr anschaulichen Vortrag die geologischen und tektonischen Gegebenheiten der Region und die erhofften Ergebnisse der Bohrung (Foto 20).

 

Foto 21Zuvor war um 8 Uhr ein weiteres Briefing angesagt. Diesmal ging es um das Thema Müll und dessen Vermeidung im Rahmen eines Müllmanagements. Jede kleinste Müllmenge muss gemäß einer internationalen Übereinkunft zum Schutz der Antarktis vom Kontinent entfernt werden. Und so haben die Amerikaner ein ausgeklügeltes Mülltrennung-, -überwachungs- und -meldesystem entwickelt, das höchsten ökologischen Ansprüchen zu genügen scheint – man könnte fast meinen, auf McMurdo hätte man den Grünen Punkt erfunden. Jedenfalls stehen an jeder Ecke der Forschungsstation verschieden farbig markierte Müllbehälter herum, in denen die verschiedenen Müllsorten peinlich genau gesammelt und dann ausgeflogen werden (Foto 21).

 

Gegen 14 Uhr landet nach meiner Ankunft vor vier Tagen zum ersten Mal wieder eine der Großraumflugzeuge vom Typ C17 der Amerikanischen Airforce, die kleineren Hercules-Maschinen und v.a. die vier Helikopter der Forschungsstation sind indes häufiger mal beim starten und landen zu sehen. Mit der C17 kommt nicht nur jede Menge zusätzlicher Ausrüstung und Verpflegung, auch mein zukünftigen Zimmergenosse von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover (BGR) sitzt in der Maschine – der siebte und letzte deutsche, der an dem ANDRILL-Projekt mitarbeitet. Von heute an heißt es sich also auf dem ohnehin beschränkten Raum des Zwei-Bett-Zimmers zusätzlich einzuschränken und auf einander anzustimmen, schließlich muss ja jeder seiner Arbeit nachgehen. Und die Arbeitszeiten können dabei durchaus unterschiedlich sein, hier auf McMurdo wird schließlich rund um die Uhr gearbeitet, wenn die heiße Phase der Bohrung begonnen hat.


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24.10.2006

Es ist soweit: Der Tag ist gekommen, an dem es in die berühmt berüchtigte „Happy Camper School“ (offiziell: Flied safty training programm), eine Art Überlebenstraining im antarktischen Eis gehen soll. Die Gedanken schwanken zwischen hoffen auf neue Erfahrungen und neue persönliche Herausforderungen, tolle Bilder, einmalige Eindrücke auf der einen und bangen vor der Kälte, der geplanten Übernachtung im Zelt draußen im Eis und dem Wetter auf der anderen. Doch wir scheinen es mehr als gut getroffen zu haben: So wenig Wind hatten wir seit der Ankunft in McMurdo noch nie – und der Wind ist hier im antarktischen Klima der eigentliche „Widersacher“ des Menschen. So zieht eine Schar von zwanzig (zumiest) Antarkis-Neulingen, bepackt mit allem was das Repertoire an Polarbekleidung und Outstore-Outfit zu bieten hat, um 8.30 Uhr in das Science Support Center ein. Alles, nur keine Baumwolle – das wurde uns schon vorab per Mail nochmals eingetrichtert, weil diese am Körper nicht trocknet und ihm dadurch die notwendige Wärme entzieht.

 

Die Schulung beginnt mit einem Theorieteil, bei dem verschiedene Ausrüstungsgegenstände Foto 22 und Grundregeln des Verhaltens im Eis erläutert werden – das Thema „Schutz gegen die Kälte“ an erster Stelle. Wie erkennt man die verschiedenen Phasen der Unterkühlung und Erfrierungserscheinungen? Was kann man gegen den Wärmeverlust tun? Wie kann man zusätzliche Wäre zuführen? Nach dem Spiel ist vor dem Spiel ist übertragen auf das (Über)leben im Eis: Nach dem Essen ist vor dem Essen. Soll heißen: eine permanente Nahrungsaufnahme ist das „A“ und „O“ für eine kontinuierliche Wärmezufuhr im Gelände wird uns gesagt – nichts leichter als das, denke ich mir ... und werde mich noch wundern.

 

Nach der Theorie in die Praxis: Mit einem großrädrigen busartigen Verhikel werden wir von Mc Murdo aus auf das Schelfeeis jenseits der Scott Base gefahren – und müssen dort erst mal durch den Schnee zu einer abgelegenen Hütte, der so genannten „Instractors Hut“ laufen (Foto 23). Um sich in der Weite des unendlichen Weiß aus Eis und Schnee nicht zu verirren, sind alle Straßen mit kleinen farbigen Fähnchen markiert – abseits des Wegs lauern allenthalben vielfältige Gefahren: Gletscherspalten! An der aus einem Zelt und zwei Container bestehenden „Schulungshütte“ angekommen, werden mit uns weitere Aspekte des (Über)lebens im Eis besprochen, die Funktionsweisen eines Bezinkochers ausführlich vorgestellt ... und selbst ausprobiert, den wir werden später damit auf uns selbst gestellt sein, wie uns die zwei Lehrer eröffnen.

 

Dann geht es endgültig raus ins Eis. Wir müssen unser eigenes Zeltcamp erstellen. Dazu werden zwei Scott-Zelte aufgeschlagen – baugleich derer, die Scott schon seinerzeit dem tragischen Versuch verwendet hat, den Südpol zu erreichen. Hinzu kommen fünf „normale“ Outdoor-Zelte. Die beiden erfahrenen Outdoor-Trainer, einer aus Alaska, der andere aus den Bergen des US-Staats Washington, verblüffen uns mit so machen Tipp und Trick, der den Aufbau und die Befestigung der Zelte erleichtert. Dem nicht genug. Zum Schutz gegen den – zum Glück an diesem Tag kaum wehenden Wind – müssen wir eine Schutzmauer aus Schneeblöcken bauen. Eine Graben wird ausgehoben, Blöcke mit einer Art Handsäge herausgeschnitten, mit einem Schlitten abtransportiert und Block auf Block übereinander gestapelt (Foto 24).

 

All das geht nur in Teamarbeit und so schweißt uns diese Erfahrung rasch zusammen ... und das, obwohl hier die unterschiedlichsten Menschen und Kulturen zusammen kommen – Wissenschaftler ebenso, wie Techniker von McMurdo, Amerikaner ebenso wie Neuseeländer und Deutsche, Männer wie Frauen. Allein schon die innerhalb einer solch heterogenen Gruppe zu beobachtenden Verhaltensmuster unter den extremen äußeren Bedingungen des arktischen Eises, wären Gegenstand genug für ein ganzes Buch – mache, die vor preschen und nach raschen Lösungen suchen, andere, die eher zurückhaltend über den besten Weg nachdenken, aktive und solche, die sich bei den anstehenden Arbeiten auffallend zurück halten. Und diese „Typen“ ziehen sich durch alle beteiligten Gruppen. Ein Beispiel macht die kulturellen Unterschiede deutlich – beim Bau der Windschutzmauer. Während die amerikanischen Kollegen gleich mit dem Bau beginnen, stechen der deutsche Kollege vom AWI und ich erst mal das Terrain mit Fahnen fein säuberlich ab, um den Verlauf der Mauer zu planen. Müssen bei uns die Schneeblöcke möglichst gleich dick sein, belassen es die Neuseeländer eher dabei, die Mauer (sinnvollerweise) möglichst hoch und lang zu bauen, um ein Größtmaß an Windschutz zu bieten – deutsche Gründlichkeit gegenüber amerikanisch-neuseeländischer Funktionalität. Und trotzdem funktioniert das Team – das macht den besonderen Geist des Lebens in der rauen Antarktis aus und die Teilnahme an einem solchen Forschungsprojekt wie ANDRILL so spannend.

 

Nachdem die Mauer steht, wird ein Iglu gebaut, indem unsere Schlafsäcke auf einen Haufen gestapelt und mit Schnee zugeschüttet werden. Wenn der Schnee gestampft und gesackt ist, können die Schlafsäcke durch eine Öffnung entnommen werden, ohne dass die Höhle zusammen fällt. Eine weitere Möglichkeit, im Eis zu übernachten bzw. überleben, ist das Ausheben einer Schlafgrube – ein schlichtes, grabähnliches Loch im Boden, das man zusätzlich als Schutz vor Wind und Schnee mit Schneeplatten abdecken kann. All dies zieht sich den ganzen Nachmittag hin und so langsam aber sicher macht trotz permanenter Energieriegel der „richtige“ Hunger“ breit – es wird ja wohl bald was zum Abendessen geben, denke ich mir. Doch in diesem Moment verkünden uns die beiden Trainer, dass sie uns jetzt dann zurück ließen und uns morgen wieder abholen würden – per Funkgerät für den absoluten Notfall verbunden.

 

So müssen wir und selbst daran machen, die fünf Benzinkocher in gang zu setzen und die in Kisten zurück gelassenen „Tütenessen“, Tees etc. selbst zuzubereiten –sprich: Wir brauchen kochendes Wasser (Foto 25). Das kann bei unter minus 20 Grad Celsius ein wenig dauern, denken wir uns und verlagern das Kochen deshalb (zunächst) in die beiden großen Scott-Zelte – eine schlechte Wahl, denn nachts waren die Wände durch den daran gefrorenen Wasserdampf so pickelhart, dass jede Bewegung im Zelt dem Geräusch beim Schlag auf ein Wellblech gleich kommt. Überhaupt war an Schlaf bei mir nicht zu denken – erst deshalb weil man sich Gedanken darüber macht, woher die Kälte kommen und was man dagegen tun könnte, dann weil die Kälte tatsächlich kam. V.a. vom Boden kroch sie nach oben und das obwohl man mit vier Lagen an Bekleidung in einem für auf bis zu minus 40 Grad Celsius ausgelegten Schlafsack liegt. Selbst Outdoor-Hilfsmittel, wie Wärmekissen, glühende Kohlestäbchen in einer Metallschatulle etc., die ich mir vor dem Flug in die Antarktis noch zuhause wohlweißlich gekauft hatte, helfen angesichts der unvorstellbaren Kälte nicht viel – und das obwohl wir praktisch Windstille haben. Und der nächtliche Gang auf die Toilette wird zu einem wohl zu überlegenden halbstündigen Ausflug – bis man aus dem Schlafsack draußen, die ganzen Klamotten und Schuhen für den Gang nach draußen angezogen hat und anschließend das ganze wieder umgekehrt ...

 

So vergeht die Nacht wie in Zeitlupe und die Minuten und Stunden bis zum Morgen wollen und wollen nicht vergehen – während andere anscheinend blendend zu schlafen scheinen und am kommenden Morgen davon berichten werden, dass es ihnen zu warm war.

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15.10.06
Um 19.30 Uhr geht die Reise los, zunächst einmal von Mannheim zum Flughafen Frankfurt, wo ich gegen 20.45 Uhr ankomme. Das Einchecken geht recht schnell, denn es sind kaum andere Passagiere am Schalter der Singapur Airlines. Das übergewicht meines Gepäcks - etwa 27 kg anstatt der erlaubten 20 kg beim eingecheckten und sicher fast das doppelte als das erlaubte Gewicht von 7,5 kg beim Handgepäck - macht keine Probleme, weil ich dies schon vorab telefonisch mit Singapur Airlines abgesprochen habe, u.a. der Kamera für das ZDF wegen. So checke ich also einen Koffer und das Stativ für die Kamera ein, als Handgepäck habe ich eine große Kameratasche und meinen Exkursionsrucksack.

Nach einem kurzen „Abschiedsdrink" von Deutschland im Flughafen wird es fast schon etwas hektisch - das Boarding für den Flieger um 21.25 Uhr wird schon im Flughafen ausgerufen. Die Zoll- und Sicherheitskontrollen vollziehen sich rasch, kein solches Aufgebot wie bei dem Flug in die USA über London wenige Wochen davor. Mein ganzes elektronisches Equipment, Kabel ohne Ende, Kameras etc. scheinen das Sicherheitspersonal nicht weiter zu interessieren. Dann muss ich mich ich in der Wartehalle vor dem Gate zum Flieger nur noch kurz gedulden, bis das Boarding beginnt.

Um 22.25 Uhr sollte der Flieger planmäßig starten und in der Tat hebt die Boing 747 gegen 22.35 Uhr in Richtung Singapur ab, die erste Station meines Flugs in die Antarktis



16.10.06
Nach etwa 11.000 km und fast 12 Stunden ruhigem Flug über das Schwarze und Kaspische Meer, nördlich vorbei am Iran, über Pakistan, Indien und an Thailands Küste entlang landet der Flieger in Singapur. Es ist etwa 16.30 Uhr Ortszeit. Die Nacht im Flieger verlief recht ruhig und war durch den Bordservice - abends kurz nach dem Abheben und morgens vor der Landung gab es jeweils eine warme Mahrzeit - recht kurz. Ich fühle mich aber trotz nur ein paar Stunden an Schlaf recht fitt. Von den 31 Grad Celsius in Singapur merkt man im Flughafengebäude durch die Klimaanlage wenig, draußen hängt durch die hohe Luftfeuchtigkeit dicker Dunst, der die Sicht auf wenige dutzend Meter beschränkt.

Bis zum Weiterflug nach Christchurch in Neuseeland habe ich 5 Stunden Aufenthalt. Ich nutze ihn, um den Flughafen ein wenig zu inspizieren und ein paar Mails zu schreiben - an kostenlosen Internet-Plätzen im Flughafen kein Problem. Dann geht es um 21.05 Uhr recht pünktlich weiter in Richtung Neuseeland, der zweiten Station meiner Reise.



17.10.06
Nach einer weiteren Nacht im Flieger, knapp 9.000 km und fast 10 Stunden Flug landet der Flieger auf der Südinsel Neuseelands in Christchurch. Die Nacht war kurz und der Flug recht unruhig, was u.a. dazu führte, dass das Bordpersonal mehrfach vom Piloten angewiesen wurde, den Bordservice zu unterbrechen und sich selbst anzuschnallen. Die kurze Nachtruhe entschädigte mein Platz in der 1. Klasse, den ich während der letzten Stunde des Flugs nach Neuseeland innehaben darf - meine „Dreharbeiten" für das ZDF sei Dank. Der Ausblick auf die frisch verschneiten Berge Neuseelands, die Gletscher und das frische, frühlingshafte Grün in den Tiefebenen der Südseite der Insel sind so phantastisch, dass ich einen ganzen Diafilm voll knipse.

Es ist kurz vor 12 Uhr Ortszeit, als ich in Christchurch ankomme. Die Passkontollen sind schnell durchlaufen, dafür ist aber die Zoll- bzw. Einreisekontrolle umso strenger: Die Neuseeländer achten sehr darauf, dass keine Lebensmittel oder ähnliches in das Land eingeführt wird, was Seuchen etc. auslösen könnte - dazu muss man in einem entsprechenden Formular Angaben über die mitgeführten Güter machen. Das gesamte Gepäck wird durchleuchtet, bei einigen Passagieren wird selbst der Dreck in den Sohlen der Wanderschuhe kontrolliert. Durch die Kontrollen durch, mit dem gesamten Gepäck auf dem Trolly, werde ich mit einem Schild von einer Mitarbeiterin des „United States Antarctic Programm" (USAP) erwartet, und auch zwei Kollegen vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) sind mit zum Flughafen gekommen, um mich in Empfang zu nehmen. Die Dame vom USAP nimmt mir als ersten mein Flugticket für den Heimflug ab - sehr befremdlich für mich, den neben Pass und Geld ist das so ziemlich das wichtigste was man mit sich führt. Der Grund: Falls ich nicht rechtzeitig vor meinem Heimflug aus der Antarktis komme - Schneestürme verhindern dort selbst im Sommer oft das Landen der Maschinen - kümmern sich die Amerikaner um eine Verschiebung des Flugs.

Zunächst geht es zu den Räumlichkeiten des USAP. Während die Kollegen vom AWI noch verschiedenes erledigen, erkunde ich schon mal das riesige Areal des „International Antarctic Center" zu dem u.a. eine Ausstellung über die Antarktis, ein Souvenirladen, eine Cafeteria und ein Fuhrpark gehört, auf dem man in einem Pisten-Bully mitfahren kann. Auf dem angrenzenden Flughafengelände steht eine US-Militärtransportmaschine vom Typ C17-die gleiche mit der ich Tage später in die Antarktis aufbrechen werde - und zwei kleinere Maschinen, die mit Zwischenstopp in McMurdo auch die Forschungsstation der Amerikaner am Südpol versorgen.

Am frühen Nachmittag geht es dann zur Ausrüstungskammer des Neuseeländischen Antarktis-Programms, wo die Kollegen vom AWI und ich noch weitere Polarbekleidung (extrem cold weather clothing, EWC) in Form von Hose, Hemd, Jacke, Mütze, Handschuhen etc. bekommen, die zum Teil besser sind, als das was wir ohnehin schon an Sonderausrüstung in Deutschland haben. Außerdem bekommt ich dort den Seesack ausgehändigt, der mir auf dem Seeweg mit meiner Polarbekleidung vom AWI seit Ende Juli vorausgeeilt ist - es scheint alles da zu sein, und das nach einem solch langen Weg über die Ozeane der Welt.

Danach geht die Fahrt mit Zwischenstopp in einem Supermarkt (in unserem Hotel gibt es kein Frühstück) ins Hotel, eine recht spartanisch eingerichtetes Motel. Dort ist zunächst mal aus- und umpacken angesagt, denn mein schwarzer Koffer heißt es von den erfahrenen Kollegen des AWI, sei für die Antarktis ungeeignet, weil die Räumlichkeiten dort zu beschränkt für dessen Unterbringung sind. So sortiere ich alles in vier Haufen: der erste umfasst das, was ich während des Flugs an Polarbekleidung anziehe (bzw. anziehen muss - das ist genau vorgeschrieben), der zweite das Handgepäck, das ich mitnehme (beschränkt durch die Größe einer grünen Tasche, die wir von den Neuseeländern bekommen habe), einen dritten, der als Check-in-Gepäck mit soll (maximal 75 amerikanische Pfund, etwa 35 kg) und schließlich den vierten mit dem, was ich Christchurch bis zu meiner Rückkehr aus der Antarktis zurück lasse. Eine Kollegin des AWI hilft mir dabei, v.a. die „Pflichtbekleidung" für den Flug nochmals auf Vollständigkeit durch zu gehen.

Abends gehen wir dann in einem benachbarten Restaurant etwas Essen, ich danach noch zu einem kurzen Spaziergang in die Stadt - nach der langen Sitzerei im Flieger eine Wohltat, und das obwohl die Temperaturen - wie mit die Kollegen sagen seit etwa zwei Tagen - recht frisch geworden sind und nachts deutlich unter 10 Grad Celsius sinken was der anhaltend frische Wind noch zusätzlich verstärkt. Es muss wohl so ein ähnlicher vorübergehender Kälteeinbruch gewesen sein wie bei uns die Eisheiligen, den ansonsten grünt und blüht es in der Stadt, u.a. die Kastanien stehen in voller Blütenpracht.



18.10.06 Nach einem selbst organisierten Frühstück im Hotelzimmer, ist am Vormittag zunächst ein Ausflug ins nähere Umfeld von Christchurch angesagt. Wir fahren mit dem Mietwagen ins vulkanisch geprägte Hinterland, von wo man einen guten Blick über die Stadt und die gesamte Region hat. Die z.T. dicht mit gelb blühendem Ginster bewachsenen Hänge können nicht darüber hinweg täuschen, dass es weiterhin sehr kalt ist - der Wind lässt die Temperaturen als kälter empfinden als sie ohnehin für einen Frühlingstag in Neuseeland schon sind.

Am Nachmittag ist wieder ein Besuch beim USAP fällig, überflüssiges Gepäck, das während des Aufenthalts in der Antarktis vor Ort bleiben soll wird hinterlegt, das eigene Laptop wird auf Viren gescannt, um in McMurdo an das dortige Internet angeschlossen werden zu können. In einem ausführlichen Briefing werden wir über das Müllmanagement an der Forschungsstation informiert, das bei weitem mehr zu trennende Müllarten umfasst, als das deutsche. Schließlich wird über die Flugdaten in die Antarktis informiert - um bereits um 4 Uhr nachts müssen wir am Flughafen sein - und die Menge des eincheckbaren und Handgepäcks erläutert: Maximal 75 amerikanische Pfund (etwa 35 kg) an Check-in-Gepäck und eine fest genormte grüne Stofftasche, das ist alles - nicht viel, für viele der Wissenschaftler, die einen z.T. mehrmonatigen Aufenthalt in der Antarktis vor sich haben.



19.10.06
Die Nacht war viel zu kurz: Nicht nur, dass einem die Gedanken durch den Kopf gehen, ob man denn auch nichts vergessen und alles richtig gepackt hat, bereits um 3 Uhr klingelt außerdem der Wecker, denn für 3.30 Uhr ist bereits der Shuttle zum Flughafen bestellt. Aus dem Frühstück im Zimmer wird nicht viel, den der Shuttle-Fahrer wartet schon mit seinem Kleinbus samt Anhänger und drängt los fahren zu können - schließlich müssen in der Nacht insgesamt 91 Wissenschaftler aus der ganzen Stadt zusammen gekarrt werden, die zusammen mit mir in die Antarktis fliegen.

In voller Polarbekleidung am Flughafen angekommen, müssen zunächst mal die beiden Seesäcke aufgegeben werden, die den Großteil des Gepäcks umfassen - 80 Pfund, knapp über der erlaubten Menge, aber die neuseeländischen Militärs, die für die Abwicklung der Flüge am Boden verantwortlich sind, winken mich durch. Zuvor gab es noch eine Passkontrolle und einen Boarding-Pass in Form einer Plastikkarte mit einer fortlaufenden Nummer darauf - ich bin demnach der dritte der eingecheckt hat. Alles läuft im Prinzip wie bei einem normalen Flug, samt Durchleuchtung des Handgepäcks etc. Neben dem eingecheckten Gepäck, muss man jedoch auch samt Handgepäck selbst auf die Wage, auch wenn es dafür (zum Glück, denn meine ganzen schweren Messgeräte, Kameraausrüstung und Laptop befinden sich u.a. darin) keine Gewichtsbeschränkung gibt. Die ganze Prozedur dauert etwa eine halbe Stunde - dann ist wieder warten angesagt, bis zum Briefing unmittelbar vor dem Flug, das für 6.20 Uhr angesetzt ist.

Nach einem abschließenden Briefing, bei dem wir nochmals auf verschiedene Sicherheitsbestimmungen und den geplanten Verlauf der weiteren Abfertigung eingewiesen werden, geht es dann in Bussen mit dem Schweren Handgepäck in der Hand und der Polarbekleidung am Körper zum Flieger. Vor dem Einstieg erhalten wir noch ein Lunchpaket in Form einer Papiertüte. Im Flieger selbst sieht es sehr spartanisch aus: Zwar sind im vorderen Bereich normale Sitzreihen vorhanden, zusätzlich welche entlang der Außenwände. Im Hinteren Bereich stapelt sich aber zusätzlich die Fracht, die wir mitnehmen werden, samt unserem Gepäck und das ganze umrahmt von Schläuchen, Kabeln und Leitungen, die die gesamte Innenhülle des Flugzeugs ohne Abdeckung umspannen. Bereits jetzt ist es auffallend laut - nicht umsonst werden Ohrstöpsel verteilt.

Nach weiteren Minuten des Wartens hebt der Flieger gegen 7.30 Uhr in Richtung Antarktis ab. Man lernt seine Sitznachbarn kennen - neben mir sitzt ein Mann, der auf der Forschungsstation McMurdo als Koch angeheuert hat - läuft im fast fensterlosen Flugzeug umher, unterhält sich mit Kollegen über die und jenes was einem wohl in der Antarktis erwartet und schaut immer wieder mal aus dem kleinen Bullauge, ob schon die ersten Eisberge, Gletscher und ähnliches zu sehen sind. Die Bewölkung verhindert dies aber weitend. Manche schlafen einfach, trotz des Lärms der vier Turbinen. Ein Besuch im Cockpit bringt ein wenig Abwechslung und interessante Gespräche.

Nach rund 4,5 Stunden wird dann über den Bordlautsprecher die bevorstehende Landung angekündigt, man ziehst sich wieder die Polarbekleidung an, die die meisten herunter gezogen haben, um im warmen Flugzeug nicht zu sehr ins Schwitzen zu kommen. Wie eine Bande an Vermummten sieht das am Ende aus - ob das notwendig ist frage ich mich, so kalt wird es schon nicht sein. Nach zwei „Platzrunden" geht der Flieger dann nach etwa 5 Stunden Flug mit mächtigen Schürfgeräuschen auf der aus Schelfeis bestehenden Piste direkt vor der Forschungsstation nieder. Nach wenigen Minuten können wir aussteigen und bekommen die Kälte der Antarktis zu spüren: minus 22 Grad Celsius und heftiger Wind, das ganze bei einem recht bewölktem Himmel, der die Berggipfel in der Umgebung verdeckt hält.

Von einem Bus werden wir zur Station gebracht. Nach einem Mittagessen in der Kantine bekommen wir mal wieder ein Briefing mit den wichtigsten Informationen zum Leben auf der Forschungsstation McMurdo und beziehen dann die Zimmer. Zunächst bin ich allein untergebracht in einem Zimmer im 1. OG, das recht spartanisch eingerichtet ist: Zwei Betten, zwei blaue Stahlschränke und ein Schreibtisch, das ist im Prinzip alles. Auf dem Gang, auf dem ein Großteil der Kollegen des ANDRILL-Projekts und auch die „Science Educators" untergebracht sind, befinden sich die getrennten Wasch- und Toilettenräume für Damen und Herren und eine Waschküche, im unteren Stock noch ein Aufenthaltsraum mit Fernseher und keiner Bibliothek. Später müssen wir noch das inzwischen vom Flieger herantransportierte Gepäck holen und ins Zimmer schleppen. Nach einem weiteren Meeting, der „Science Educators", dem Abendessen und dem auspacken bzw. einräumen des ganzen Gepäcks steht die erste Nacht in der Antarktis bevor.



20.10.06
Antarktis-Forscher sind Frühaufsteher (oder werden es): Frühstück gibt es von 6 bis 7.30 Uhr. Es spielt aber im Prinzip auch keine Rolle, wann man aufsteht oder ins Bett geht, es ist immer hell. Zwar lässt sich (noch) ein gewisser Tagesgang des Sonnenstandes und damit auch der Helligkeit erkennen, aber selbst nachts um 3 Uhr ist es taghell. Nach dem Frühstück werden wir durch das Crary-Lab geführt, das Labor, in dem die meisten Wissenschaftler des ANDRILL-Projekts arbeiten. Eine Vielzahl an Laboren, Büros und Sitzungsräumen, die in einem äußerlich schlichten Gebäude auf drei Ebenen untergebracht sind. In verschiedenen großen Wasserbecken schwimmen seltsam anmutende Fische, Garnelen und sonstiges Getier, die unter dem Schelfeis leben, wie man und berichtet und hier untersucht werden. Der Blick aus dem Fenster im obersten Stock gibt heute bei herrlichem Sonnenschein und wenig Wind - der Wind ist immer das Thema in der Antarktis - den Blick frei auf die Berge des transantarktischen Gebirges am Horizont.

Nach dem Rundgang treffen sich die Wissenschaftler des ANDRILL-Projekts zu ihrem täglichen Meeting um 9.30 Uhr. Dabei wird jeweils der aktuelle Stand der Bohrung besprochen - es scheint alles nach Plan zu laufen: der Bohrturm steht längst, das 85 m mächtige Schelfeis ist mit einer Art Heißwasserstrahl durchbohrt worden und das Bohrgestänge „pendelt" gerade dem etwa 940 m unter der Eisdecke befindlichen Meeresboden entgegen, dem Ziel der Forscher. Da mit dem letzten Flugzeug sehr viele neue ANDRILL-Kollegen nach McMurdo gekommen sind, wird eine kleine Vorstellungsrunde eingeschoben und die beiden Projektleiter Ross und Tim (man spricht sich hier nur mit Vornamen an) erläutern den Neulingen die Ziele und Schwierigkeiten des Bohrvorhabens.

Nach dem Mittagessen finden wir uns im Kreis der „Science Educators" zu einem Meeting ein, um über anstehende Aufgaben und Probleme zu sprechen. „Meeting" ist überhaupt DAS Wort hier auf McMurdo - jeder hat ständig irgendwelche Meetings, ohne dass jedoch (zumindest bisher für mich) klar wird, wer sich hier eigentlich jeweils mit wem und v.a. zu welchem Thema „meetet".

Ein Teil meiner Gerätschaften und zusätzliches Gepäck habe ich Ende Juli beim AWI in Bremerhaven für den Transport in einem überseecontainer mit der sonstigen Bohrausrüstung gegeben - und siehe da, die silberne Aluminiumbox steht abholbereit in einem der Labors, fast wie ein Winder kommt einem das vor, das der Container den weiten Weg bis ans eisigste Ende der Welt tatsächlich gefunden hat. Und der Inhalt scheint unversehrt und vollständig zu sein.

Mit einem herrlichen Sonnenuntergang, der ja gar keiner ist, denn die Sonne streift ja abends praktisch nur den Horizont entlang (offizieller Sonnenuntergang ist gegen 0 Uhr, Sonnenaufgang kurz nach 2 Uhr) geht der zweite Tag in der Antarktis für mich zu Ende.



21.10.06
Kaum hat man den herrlichen Sonnenschein am Vortag genossen, schlägt das Wetter über „Nacht" um: der Himmel ist Wolken verhangen und der Wind bläst einem kräftig ins Gesicht - und das bei unter minus 20 Grad Celsius. Da fällt selbst der Gang von der Unterkunft in die Kantine und zum benachbarten Crary-Lab schwer, obwohl die Gebäude jeweils kaum 100 m von einander entfernt sind. Und die gegenüber liegenden Berge des transartischen Gebirges verschwinden durch den aufgewirbelten Schnee z.T. in einer Art „Dunstwolke."

Um 9.30 Uhr findet das tägliche ANDRILL-Meeting statt. Es läuft weiterhin alles nach Plan und für den 24. oder 25. Oktober wird mit den ersten viel ersehnten Proben vom Meeresgrund gerechnet. Goldgräberstimmung macht sich breit unter den Wissenschaftler und jeder will bis zur ersten Sedimentprobe seine Ausrüstung soweit installiert haben, dass den Analyen nichts mehr im Wege steht. Dabei fehlt hier noch ein 220 Volt-Anschluss, da ist man sich noch nicht ganz klar über das genaue Verfahren der Entnahme von Proben aus dem Bohrkern - Wissenschaft hautnah ist das hier und alles andere als „verstaubt" und langweilig, vielmehr eine spannendes Ringen um den besten Weg.

In der Zwischendurch konnte ich ein weiteres Gepäckstück von mir sichern, das auf dem Seeweg in die Antarktis (bzw. bis nach Neuseeland und von dort mit dem Flugzeug - der Seeweg ist ja im Ausgehenden Südwinter noch dutzend Meter dick von Schelf- und Meereis bedeckt) gefunden hat - ein grüner Seesack mit wertvollem Inhalt: Spezielle Polarbekleidung für Außeneinsätze. Und ein solches steht mir nach aktueller Planung für den 24./25. Oktober bevor - die so genannte „Happy Camper School" (offiziell: snow craft I training), eine Art überlebenstraining, bei dem man u.a. eine Nacht im selbst gebauten Iglu in freier Natur verbringen muss. Jeder hier, der an dem Training teilnehmen muss oder will (nur so darf man an Ausflügen mit dem Helikopter, Pisten-Bully o.ä. in die Umgebung teilnehmen), fiebert dem Tag mit sehr gemischten Gefühlen entgegen - wen nur kein Wind herrscht, beim letzten Training vor ein paar Tagen herrschten durch den starken Wind gefühlte Temperaturen von an die minus 45 Grad Celsius.

Hier in McMurdo ist alles geregelt. Auch wer eine Wanderung ins Umfeld der Station oder Skilanglauf machen will. Dazu gibt es einen eFood-Plan, bei dem man online eine bestimmte Tour planen und bei dem für die Sicherheit zuständigen Fire-Department abmelden kann bzw. muss - Sicherheit ist obersten Gebot in einem solch abgelegenen Gebiet mit solch extremen Umweltbedingungen wie in der Antarktis. Ein Bespiel aus eigener Erfahrung: Beim Weg von Crary-Lab in die Unterkunft heute Abend - keine 5 Gehminuten - fror mir ein Schluck Wasser in einer Plastiktrinkflasche in der Hand komplett ein. Auf diese und andere Gefahren sowie Verhaltensregeln werden wir in einem Briefing um 10.30 Uhr hingewiesen. In einem Video, einer kleinen Präsentation sowie Karten werden die verschiedenen Umweltgefahren eingehend dargestellt, bis hin zu ganz praktischen Tipps, Anzeichen einer Erfrierung frühzeitig erkennen und entgegenwirken zu können.

Am Nachmittag stellten sich die beiden Projektleiter Ross und Tim den Fragen von uns „Science Educators", von mir abgesehen, alles Lehrer oder mit der Entwicklung von Lehrplänen beschäftigt. Gemäß dem Finanzvolumen der an dem Projekt beteiligten Länder stammen drei „Scuience Educators" aus den USA und jeweils einer aus Italien, Neuseeland und aus Deutschland. Dabei wird uns die Bohrtechnik im Detail erklärt - ein sehr ausgeklügeltes System, an dem schon über Jahre immer wieder gefeilt und das verbessert wird. Vom Grundprinzip funktioniert die Bohrung so: Durch ein Loch im 85 m dicken Schelfeis in der Nähe von McMurdo wird zunächst eine dickes Rohr bis zum Meeresboden, etwa 940 m darunter abgesenkt und dort fest verankert. In dem Rohr befindet sich das eigentliche Bohrgestänge, mit dem vom Meeresboden mit einem speziellen Verfahren zunächst einmal die oberen lockeren Sedimentschichten geborgen werden. Wenn die Schichten nach einigen Metern zu hart werden, beginnt das eigentliche Bohren mit einem Diamant besetzten Bohrkopf. Der Bohrer selbst ich innen auch hohl, so dass sich der Sedimentbohrkern beim Bohrvorgang im seinem Inneren nach oben schiebt und nach jeweils drei Meter erbohrtem Gestein im Bohrgestänge nach oben befördert werden kann. Hört sich vergleichsweise einfach an, ist aber im Detail sehr diffizil und verlangt den Wissenschaftlern und der Bohrmannschaft allerhand an Geschick und Erfahrung ab.

Samstag Abend ist „Ausgehtzeit" in McMurdo. Heute wird ein Film über Bergwelten gezeigt. Was sonst wohl kaum jemandem „hinter dem Ofen vorlocken" könnte ist hier ein riesiges Ereignis und der Speisesaal in der Kantine, der als Kino herhält, gerappelt voll. Gleiches gilt für die Bars, in denen man sich gegenseitig auf die Beine trampelt, spätestens wenn die Besucher des Films gegen 22 Uhr dazu gestoßen sind. Die Einöde und das mitunter tägliche Einerlei von Routinearbeiten lässt bescheiden werden und macht alles zum „Event".



22.10.06
Der Sonntag beginnt so wie der Samstag aufgehört hat: Mit bedecktem Himmel und recht viel Wind. Dazu kommt noch ein Hauch von Schneefall - die Antarktis ist nicht nur der kälteste und windigste Kontinent der Erde, er ist auch der trockenste! Von meterhohen Schneewänden ist hier nichts zu sehen - die weißen und unter der dünnen Schneedecke bläulichen Farben kommen vom Gletschereis, das sich vom Inneren der Antarktis an deren Ränder schiebt - immerhin mit bis zu einem Kilometer pro Jahr an machen Stellen - und dort als Schelfeis auf dem Meer zu schwimmen beginnt. Es ist aber nicht mehr so kalt wie am Tag zuvor - nur noch minus 17 Grad Celsius zeigen die Thermometer an. Zum Abend hin legt sich der Wind und die Untergrenze der Wolkendecke steigt, so dass der Blick auf die gegenüber liegenden Berge, die zuvor in ein Meer aus Weiß gehüllt waren, wieder frei wird. Durch den Wind wird die z.T. dünne Schneeschicht mitunter weg geweht und die Berge geben nunmehr vielfach ihr dunkles Gestein darunter Preis.

Sonntag ist auch in McMurdo etwas Besonderes. Das sieht man nicht nur am Speiseplan, der für heute u.a. Brunch vorsieht, sondern auch an den diversen Aktivitäten, die angeboten werden: Von Klettern an einer Indoor-Kletterwand über Ballspiele auf dem „Parkplatz" bis hin zu einem Tanzkurs reicht die Palette. Abends gibt es dann noch einen wissenschaftlichen Vortrag, der ähnlich gut besucht ist, wie der Film am Abend zuvor. Ganz am Rande habe ich heute bei einer Führung und eher durch Zufall die erste Vorprobe „unseres" Bohrkern gesehen - eigentlich nicht viel mehr als eine Plastikrohr mit einer grauen und aus Gründen der Konservierung eingefrorenen Masse - aber für die Wissenschaftler und die Klimaforschung „Gold wert". Und die Begeisterung der Wissenschaftler für ihr Bohrgut überträgt sich unweigerlich auf einen selbst und alle Beteiligten an dem Projekt, schließlich nehmen hier alle einiges an Entbehrung auf sich - z.T. über Monate hinweg fern ab von zu Haus -, um daraus neue spannenden Erkenntnisse über die Klimageschichte der Antarktis zu ziehen.





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